Literatur und Wahnsinn

Samstag, 28. April 2018, 19 Uhr:

„Im Irrenhaus / da sind die Irren drin“
Literatur und Wahnsinn – Lesung im Rahmen einer interdisziplinären Tagung

Wahnsinn – Tollheit – Melancholia – Hysterie – Schizophrenie – Bipolarität: Begriffe, die eine Abweichung von der Norm, das Bizarre in Kategorien zu fassen versuchen. Eine interdisziplinäre Tagung zeigt die enge Beziehung zwischen Literatur und Wahnsinn und wird in Vorträgen, Diskussionen und einer Lesung darstellen, wie sich das Bild von Wahnsinn verändert hat.

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Ein Karfreitag in Lochham

Die Sterbestunde Jesu, das ist die neunte Stunde des Tages nach alter Zählung. Also in Mitteleuropa um 3 Uhr nachmittags. Am Karfreitag um 3 Uhr nachmittags geht Erwin mit seinem Einkaufswagen auf Rädern in Lochham bei München unter der S-Bahnbrücke durch. Es ist kalt und grau, es nieselt, ein unwirscher Tag. Gar nicht frühlingshaft, wie man sich das erhofft hat. Wer nicht unbedingt raus muss, bleibt heute lieber zuhause.

Erwin geht etwas gebückt, aber wie ein 85jähriger sieht er eigentlich nicht aus. Zäh und drahtig wirkt er, ganz offenbar ist er ein „Einheimischer“, mit seinen Haferlschuhen und den Wollsocken. Er grantelt ein bisserl vor sich hin, die Augen immer auf den Meter Boden vor ihm geheftet, die rechte Hand umklammert den Trolley. Der hat auch schon bessere Tage gesehen. Vor kurzem ist Erwin auf der Treppe gestürzt, da ist ihm der Wagen ausgekommen und der Handlauf ist gebrochen. Aber als ehemaliger Metallarbeiter scheißt sich der Erwin nix (so sagt man hier in Bayern) und flickt ihn mit blauem Hansaplast.

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Frank Wedekind – Eine Revue zum 100. Todestag

Als Schriftsteller, Schauspieler, Journalist, Kabarettist und Werbetexter war er eine der schillerndsten Figuren der Schwabinger Bohème. In seinem gesamten literarischen Werk erweist er sich als ein ebenso wacher wie scharfer Kritiker der Wilhelminischen Ära. Er „war ein Mann der Masken und der kaum zu durchdringenden Verkleidung. Er war den Zeitgenossen im Grunde ein Rätsel, und den Nachlebenden ist er es nicht weniger“, heißt es in einem Vorwort zu seinen Briefen.
Zum 100. Todestag von Frank Wedekind kommen wir diesem Rätsel auf die Spur – Julia Cortis (Rezitation/Gesang) und Alex Haas (Gitarre/Laute) präsentieren Simplicissimus-Gedichte und Bänkellieder sowie Auszüge aus Dramen und Briefen. Erläuterungen zu Wedekinds Biografie und der Rezeption seiner Werke ergänzen das Bild dieses provokanten und meistgespielten Dramatikers seiner Zeit.

„Greife wacker nach der Sünde“ nennen wir unsere Revue am Abend des 9. März 2018 anlässlich Wedekinds 100. Todestag.

Ort: Einstein 28
Bildungszentrum der MVHS, Einsteinstr. 28
Beginn: 19 Uhr. Hier gibt es Karten.

Faust-isch!

Dienstag, 19. Dezember 2017, 19 Uhr

Die Goethe-Gesellschaft München läutet vorab das Münchner Faust-Festival ein mit Auszügen aus Goethes Tragödie und mit An-, Nach- und Umdichtungen aller Art – sei es aus Programm- und Reklameheften oder aus dem Mund von Dichtern und Staatsmännern. Auch dramatische Szenen an ungewöhnlichen Orten verspricht die kommentierte Auswahl von Johannes John, gesprochen von Julia Cortis. Die Münchner Pianistin Birgitta Eila krönt den Faust-Abend mit Auszügen aus ihrem umjubelten Konzertprogramm, u.a. mit Musik von Goethe-Verehrer Franz Liszt.

Ort: Internationales Begegnungszentrum der Wissenschaft München e.V. IBZ, Amalienstraße 38, 80799 München. (Keine Reservierung möglich, nur Abendkasse!)

Otis Redding revisited

Dienstag, 12. Dezember 2017 um 20:00 Uhr

50 Jahre nach dem frühen Unfalltod des Soul-Sängers Otis Redding, der vor allem als Crooner und für seine Live-Auftritte bekannt war, dessen Song „Dock of the Bay“ erst post mortem die Charts eroberte, ehrt der Autor Matthias Klein ihn mit poetischen Texten, denen ich meine Stimme leihe. Dazu gibt es – natürlich – seine Musik zu hören.

Ort: La Cantina, Elisabethstraße 53, Nähe Nordbad. Anmeldung unter 089 12737135.
Foto: Stax Records

Adventskalender für junge Deutschlerner

Um ein kleines Wunder und um Weihnachten geht es in der Geschichte „Die Reise nach Ägypten“ von Hermann Schulz, die beim Deutschen Taschenbuch Verlag erschienen ist. In 24 Häppchen aufgeteilt und mit Text und Anmerkungen versehen hat sie das Goethe-Institut für das Deutschlern-Netzwerk PASCH, was für „Schulen: Partner der Zukunft“ steht. Die Initiative vernetzt weltweit mehr als 1.800 Schulen, an denen Deutsch einen besonders hohen Stellenwert hat.
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„Immer dieses Gedenken!“

Pünktlich zum 79. Jahrestag der Pogromnacht vom 9. November 1938 veröffentlichte die Rheinische Post heute um Mitternacht eine Meldung, wonach das Interesse an NS-Gedenkstätten stark gestiegen sei. Nach einer Umfrage der Zeitung soll die Zahl derer, die in den vergangenen zehn Jahren der KZ-Gedenkstätte Auschwitz einen Besuch abgestattet haben, von jährlich 989.000 auf über zwei Millionen angewachsen sein. Auch in der Gedenkstätte Dachau erhöhte sich die Besucherzahl von rund 800.000 auf eine Million Besucher im Jahr.
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Ein russisch-bayerischer Revolutionsabend

Mittwoch 15. November, 19:30 in der Seidlvilla, München

Nach einem ereignisreichen russischen Herbst in München, der bei mir die Russische Revolution aus der Sicht der Lyrikerin Sinaida Hippius und ihren Tagebüchern und dann Carola Nehers Leidensweg und den Beginn des stalinistischen Terrors vor 80 Jahren im Fokus hatte, wird bei unserem gemeinsamen Seerosenabend nun auch der bayerischen Revolution gedacht:

Der Historiker Boris Schumatsky ist der Urenkel eines Bolschewiken der ersten Stunde, der es 1937, auf dem Höhepunkt des Terrors, wagte, Stalin öffentlich zu widersprechen. Er reist aus Berlin an und berichtet im Gespräch mit dem Schriftsteller Thomas Lang von der Russischen Revolution und der Situation der heutigen europäischen Politik und Gesellschaft. Von der bayerischen Revolution erzählt in Dokumenten Michael Skasa, dialogisch begleitet von Julia Cortis. Die Bayern taten’s den Russen nach – sie riefen den „Freistaat“ aus und vertrieben ihren König. Der „Sozi“ Kurt Eisner wurde Ministerpräsident und bald hinterrücks ermordet. Schwabinger Intellektuelle errichteten daraufhin eine bayerische Republik aus Arbeiter- und Soldatenräten. Aus Berlin rückten aber Reichstruppen und Freikorps an und schossen brutal nieder, wer im Weg stand.

Anmeldung erbeten unter seerosenkreis@gmail.com oder 0170 3231634 (Andrew Malura)

Mondbilder Mondgedichte

Freitag, 13. Oktober 2017 um 19:30 Uhr:
Lyriklesung mit Gedichten zum Mond von Matthias Claudius und Friedrich Schlegel bis Wolfgang Borchert und Kurt Tucholsky – von Else Lasker-Schüler bis Christine Lavant, von Rilke bis Ringelnatz. Gedichte, die heute wieder aktuell sind, von Pazifisten und Anarchisten, Romantikern und Realisten.

In der ArtGallery Landsberg, Hinterer Anger 342. Karten gibt es hier.

O, Mond, du bist mir wie ein später Freund,
Der seine Jugend dem Verarmten eint,
Um seine sterbenden Erinnerungen
Des Lebens zarten Widerschein geschlungen,
Bist keine Sonne, die entzückt und blendet
In Feuerströmen lebt, im Blute endet –
Bist, was dem kranken Sänger sein Gedicht,
Ein fremdes, aber o! ein mildes Licht.

 

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