Aya Cissoko beim White Ravens Festival

Lesungen im Rahmen des White Ravens Festival in der Internationalen Jugendbibliothek,
Schloss Blutenburg:

„Du setzt ein Kind in die Welt, was ein Malheur.
Du hast kein Kind, was ein Malheur.“ (Aya Cissoko: „Ma“)

Anfang der 1970er Jahre kommen Aya Cissokos Eltern aus Mali nach Frankreich, sie selbst wird 1978 dort geboren. Als sie acht Jahre alt ist, kommen ihr Vater und ihre kleine Schwester ums Leben: auf das Haus, in dem die sechsköpfige Familie in einer Einzimmerwohnung lebt, wird ein Brandanschlag verübt.Aya Cissoko ist mit Rassismus, Gewalt und sozialer Benachteiligung aufgewachsen. Ihre Wut darüber kanalisiert das Mädchen in Hartnäckigkeit und Kampfgeist. Drei Mal wird sie Weltmeisterin im Amateurboxen: 1999, 2002 und 2006. Ein Wirbelbruch beendet ihre Karriere, aber Aya bleibt hartnäckig, überwindet eine halbseitige Lähmung und steckt ihre Energie in ein Politikstudium und das Schreiben.

In ihrem Buch „Ma“ erzählt die heute 39jährige in klaren, schnörkellosen Bildern und dennoch auf berührende Weise von ihrer spannungsgeladenen Beziehung zu dem Menschen, der für sie alles in der Welt ist: ihre Mutter. Massiré Dansira erzieht beide Kinder nach dem Tod des Mannes zu selbstbewussten Menschen, mit Strenge und Härte. Und doch blitzen warme, fast ergreifende Momente auf, wenn die Mutter unter ihrer überbordenden Menschlichkeit leidet, weil sie von der Großzügigkeit, die sie ihren Landsleuten in der Banlieu entgegenbringt, selbst überfordert ist.

Wie Mutter und Tochter sich zwischen den afrikanischen und europäischen Riten und Gebräuchen gegen- und miteinander reiben und die auf Mandinka fluchende Mutter die störrische Älteste auf die Traditionen ihres Stammes einschwört, ist gerade in Tagen der beginnenden Abschottung Europas vor Migration aus Afrika ein reiches, heiteres und nachdenklich machendes Leseerlebnis nicht nur für junge Menschen.

Termin der deutschsprachigen öffentlichen Lesung:
Zunächst bei der Eröffnung am Sonntag, 10:30 Uhr (nur Auszüge). Um 13:20 Uhr spricht Aya Cissoko dann auf dem Weißen Sofa mit Nikola von Merveldt.
Lesung Dienstag, 17.7., 9:30 in der IJB
Um 19:30 geht es beim Themenabend „Autobiographisches Schreiben“ auch um „Ma“ und Aya Cissoko, die an diesem Abend mit zwei weiteren Autoren auf der Festivalcouch sitzt.
(Foto: © Jean-Baptiste Pellerin)

 

Um Mutter und Tochter geht es auch in einer von acht kleinen Geschichten, die Ingrid Olsson in ihrem Band „Neuschnee“ auf dem Festival vorstellen wird. Sie erzählt vom Erwachsenwerden, von Ängsten und Sehnsüchten acht junger Menschen. Die schwedische Autorin wurde 1977 in Stockholm geboren, debütierte 2003 mit ihrem Jugendroman „Medan Mamma Sover“ und ist u.a. Kultur-Stipendiatin der Stadt Stockholm. (© Foto: Ola Jacobsen)

Termine der deutschsprachigen Lesungen in München:
Sonntag, 15.7., 14:15 im Jella-Lepman-Saal
Montag, 16.7., mit Julia Cortis um 11:30 in der IJB

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